Neulich an der Bushaltestelle
Mittwoch, 26. Oktober 2005 - 9:58 Uhr, Bushaltestelle Waltersdorfer Str./Parchwitzer Str. in Berlin.
Eine Frau mitte Fünfzig steigt in den Bus, zeigt ihr Ticket vor und geht am Busfahrer vorbei. Dieser ruft sie sogleich zurück. Ein Dialog.
Stop ma!
Wat?
Damit könn’se hier nich fahrn.
Warum denn nich?
Dit is’n Sozialticket.
Aba damit kann ick doch trotzdem fahrn!
Aba nich mit uns!
Wat hamm’se denn?
Dit is’n Deal zwischn BVG, S-Bahn und’m Senat. Steht doch druff! Also: aussteigen oda bezahln.
Aba ick hab mir doch ooch schon beschwert bei die Jesellschaft da.
Trotzdem könn’se hier nich mitfahrn.
Dit is ja ne Frechheit. Da komm ick jetz’ zu spät zu meen Enn-Euro-fuffzich-Job. Soll ick da jetz aussteign und zwanzich Minutn wartn?
Dit is nich mein Problem. Aussteign oda bezahln.
Aba dit is doch ne balina Haltestelle!!
Wir sind aba die Rejionale Verkehrsjesellschaft. Et jibt nur zwee Möglichkeitn: aussteign oda bezahln.
Aba ick hab – doch – für – dit – Ti – cket – je – zahlt!
Aba dit jilt hier ja nich, also könn’se ooch nich mitfahrn. Nur aussteign oda bezahln.
Wissense, ick würd’ ja ooch jerne bezahln, aba ick bin abeitslos – ick hätte jern mehr Jeld, oda ‘n Job - ABA SIE FAHRN MICH DA JA NICH HIN, ZU MEEN EEN-EURO-FUFFZICH-J-O-O-O-B!!
Dann müssense aussteigen.
Also sie sind ja – das is ja - ich… also… (verlässt fluchend den Bus)
Der Bus setzt sich wieder in Bewegung, biegt ab, und der Busfahrer hält neben einem entgegenkommenden Bus der selben Gesellschaft. Der Busfahrer sagt zum anderen:
Du, da steht schon wieda so’ne Olle mit Sozialticket…lass die ma nich mitfahrn!
Tze… Sozialticket…
(so passiert heute morgen)
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