Die Marion kocht, der Folkert mahnt ab: der Bratwurstskandal

Zuvor noch eine Idee, wie ein überregionales Boulevardblatt teasern könnte:

SKANDAL!! lol^^
Bild lizenziert unter einer CreativeCommons-Lizenz (CC-by). Image taken by markwick (License: CC-by) and found via Flickr.

Es ist das Klischee der perfekten Familie, von Eva Hermann propagiert, von Frauenrechtlerinnen gehasst und doch scheint es im Falle von “Marions Kochbuch”, einer Internetseite mit über 2000 Rezepten, so zu sein: die Frau (Marion) steht zu Hause und kocht, der Mann erwirtschaftet das Geld. Das tut der Folkert (so heißt der liebe Mann von der Marion), indem er die Speisen fotografiert und das Webangebot mit Rezepten seiner Gattin aufrecht erhält, Werbung platziert und seine Seite für Suchmaschinen optimiert (mittlerweile hat der Folkert schon fast ein kleines Imperium an Internetseiten, und jede hat im Footer Links zu den anderen Seiten), um möglichst viele Treffer in der ersten Reihe zu erzielen. Viel mehr Geld aber dürfte das Geschäft mit Abmahnungen bringen, die an dreiste “Bilderklauer” versendet werden, die durch Internet-Bildsuchen auf die Schnelle Abbildungen suchten, die beispielsweise Brötchen, Bratwürste oder Kartoffelsalat zeigen, und auf ihrer Website veröffentlichten.

Marius wurde im Januar von einem Anwalt Folkerts abgemahnt (weitere illustre Fälle unter dem Google-Stichwort “Marions Kochbuch Abmahnung“). Er vertritt die gleiche Auffassung wie ich: Urheberrecht ist wichtig und auch in Ordnung, vielleicht wurde viel Arbeit in die Bilder gesteckt (”mein Mann ist Hobbyfotograf” hat Marion in einem Interview mal erzählt – auch wenn ich davon nicht so wirklich etwas mitbekommen habe), es sollte aber nicht so ausgelegt werden, dass man dadurch primär seinen Lebensunterhalt bestreiten kann. Denn Forderungen von immensen Geldsummen, welche die “Bilderdiebe” gezwungen werden auszurichten, nur damit Marion und Folkert sich ihre Existenz vollkommen aus der Seite finanzieren können und dabei noch durch solche Aktionen auffallen (anstatt der Folkert seine Urheberrechts-Vergehen einfach bezahlt – Geld genug dürfte er ja reinbekommen) sind – man kann es nicht anders sagen – vollkommen pervers. Marius schreibt meiner Auffassung nach vollkommen korrekt:

Es gibt gerade auch im Bereich von Internetpublikationen solche Punkte wie Menschlichkeit, Fairness, Gewissen, Moral und kollegiales Miteinander, zumindest sollte es diese Eigenschaften geben. Und auch solche Punkte sollte man bei seinen Entscheidungen über Abmahnungen durchaus betrachten.

Diese Passage in einem offenen Brief an den lieben Folkert brachte mich noch zum Schmunzeln:

Ich selber kenne eine weitere, sagen wir mal recht populäre Webseite, welche die von Ihnen erstellten Bilder wesentlich länger als die von Ihnen abgemahnten Personen auf ihren Seiten abbildete und weiterhin abbildet, ohne dafür irgendwelche Lizenzgebühren an Sie entrichtet, und ohne ihre Einverständniserklärung dafür eingeholt zu haben. Diese Webseite heißt www.google.de und zeigt alle von Ihnen erstellten Bilder in ihrer Bildersuche Seite an. Teilweise sogar zwischengespeichert, was bedeutet, dass diese Bilder in diesem Fall auf deren eigenen Servern liegen.
Sein Sie konsequent und mahnen Sie und Ihr Anwalt diese Seite doch auch mal ab.

Bei Marions Kochbuch rechtfertigt man sich für den gnadenlosen Einsatz eines Anwaltes so:

Da wir leider mit unseren Anschreiben an die betreffenden Webmaster in den seltensten Fällen auf Verständnis getroffen sind, haben wir uns nun dazu entschlossen, die Fälle gleich unserem Anwalt zu übergeben.

Das stark mangelnde Verständnis wage ich bei einem einigermaßen freundlichen Anschreiben an die Webmaster doch stark zu bezweifeln. Hier übrigens eine Sammlung lustiger kleiner Rechtfertigungstexte auf Marions Kochbuch. Das Schnüffeln im Netz muss eine spaßige Prozedur sein:

Dieser Vorgang nimmt leider sehr viel Zeit in Anspruch, da wir die Rezepte und Fotos erst einmal im Internet finden und jeden anschreiben müssen. […] Zur Zeit probieren wir aus, welche weiteren Schritte für uns die einfachsten und erfolgversprechendsten sind. […] Wir möchten an dieser Stelle auch um Verständnis bei denjenigen bitten, die nicht verstehen warum wir uns so aufregen, da sie der Meinung sind, daß “im Internet doch sowieso alles kopiert wird”. Aber es wehren sich immer mehr Autoren und Fotografen gegen diesen Trend. Hervorhebung von mir.

Ich möchte anmerken, dass sich zwar Autoren und Fotografen gegen diesen “Trend” wehren, diese tun dies allerdings meist ohne sofortige Abmahnung und solch horrende Kosten sondern zuvor durch einen freundlichen, für zivilisierte Menschen üblichen Hinweis ohne Gebühren.

Zeiten haben sich geändert. Früher habe ich gelegentlich nach Rezepten von Marions Kochbuch gekocht, aus moralischen Gründen unterlasse ich dies ab nun. Auch Freunden, denen ich positiv von dieser Seite berichtete, werde ich nachträglich von den Ereignissen erzählen. Denn das war keine einmalige Aktion – gestern ging es “Bockwurstbilddieben” an den Kragen.

Zum Abschluss noch ein Bild (natürlich gemeinfrei!) von Fantakuchen, den ich neulich gemacht habe. Sogar nach Marions Kochbuch (wie peinlich). Sieht er nicht lecker und kalorienreich aus?

Mh, yummi!

P.S: Ich habe im Wiki mal wieder eine Seite dafür angelegt: Kochen ohne Marion & Folkert

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Comments

[…] Bloggersdorf wacht auch langsam wieder auf: basicthinking.de: Warnung vor Marions Kochbuch silkester.de: Vorsicht Bockwurst - Marions Kochbuch und die Abmahnungen Nerdcore.de: Folkert mal wieder floriansiebeck.com: Der Bratwurstskandal […]

[…] Der Bratwurstskandal (Florian Siebeck) […]

[…] Da drücke ich auch mal ein Auge zu, wenn meine Bilder auf fremden Websites genutzt werden (mit Ausnahme natürlich derer, die ich unter CreativeCommons lizenziere – bei manchen mache ich’s, bei manchen nicht, eine Strategie habe ich dabei nicht). Es ist ja auch nicht so, dass mein Traffic dadurch vehement in die Höhe getrieben würde. Der Anzeigentyp bin ich auch nicht. Es soll da draußen ja weitaus rigidere Köche als mich geben. […]

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