Apathisches Styroporbashing und Stasi 2.0 auf dem 09Y11-Frühlingsball
Gestern haben wir mit der Band auf dem Frühlingsball der 09Y11-Schule im FEZ (wenn’s an unserer Schule mal sowas gäbe) gespielt. Wir waren 17.15 da – viel zu früh. Diverse Programmumstrukturierungen führten zu einer Verschiebung des Auftritts, was wiederum dazu führte, dass ich neben Bio-Lernen für’s Abi auch illustre Theaterstücke Kunst erleben durfte.
Die Veranstaltung begann mit dem Auftritt der Laienspielgruppe (Kurs Darstellendes Spiel) des 12. (?) Jahrgangs. Die Story hat sich mir nicht ganz erschlossen, irgendwas »von Reichsprogromnacht über 9⁄11 bis 09Y11«. Den Auftakt machte eine von zwei Schülern vor der Bühne hochgehaltene durchscheinende Frischhaltefolienwand, die von hinten gewaltsam mit abgebrochenen Styroporwandteilen attackiert wurde und daraufhin teilweise aufriss, dann folgte ein Moment des Innehaltens, dann ging das Ganze weiter (soweit ich mich erinnere), irgendwie war die Folie dann weg, woraufhin man auf der Bühne sah, wie noch nicht beschädigte Styroporplatten (die m.E. eine zentrale Rolle in diesem Stück spielten) zu Häusern (?) zusammengebaut wurden, irgendwann fing aber dann das richtige Styroporbashing an, voller Ekstase gingen die Schüler auf wehrlose Stücke zu und missbrauchten sie im Namen der Kunst. Dieser Vorgang wurde von einem Lehrer mit der unkonventionellen Fächerkombination Physik/Latein/DS beobachtet und dirigiert, während Musikstücke (2 mal »Les Choristes«, die Suite ohne Gesang, der Rest das ganze Hans-Zimmer-Repertoire durch von Fluch der Karibik, etc.), die die jeweilige Gefühlslage der Protagonisten wiederzuspiegeln versuchten, im pausenlosen Übergang untereinander abgespielt wurden. Umgarnt wurde diese herrlich sinnlose Gewalt von einer schmalzigen Lovestory gleich einer ARD-Vorabendtelenovela, deren Hauptdarsteller die Besetzung der Rollen alternierend vorzunehmen schienen und bezüglich des schauspielerischen Talents fast an die Moderationsfähigkeit der Betrüger Moderatoren Animatoren in DSF-Call-in-Sendungen heranreichten. Über Trümmerfrauen, starr und gefühlslos dreinblickende Styropor-Werfer, Ich-dachte-du-wärst-tot-Herzschmerz-Dialoge, Styropor-Zweckentfremdungsballspiele auf dem Schulhof hin zu .. – ja, das Ende habe ich vergessen bzw. ich bin gegangen, weil ich Hunger hatte – war es gesamt doch ein schönes Stück Kunst (wo erlebt man das in heutiger Zeit noch?) und ich bereue fast nicht, es mir angesehen beim Biobuch-Lesen mitbekommen zu haben.
Gefolgt wurde dieses Stück von einer künstlerisch ebenfalls wertvollen, zwar leider weniger brutalen, dafür aufgrund mangelnder sprachlicher Komplexizität leichter verständlichen Fünftklässler-Darbietung eines Theaterstückes über Mäuse und Albino-Mäuse und Präsidenten-Mäuse, das von Intellektuellen vielleicht als Zeitkritik an der amerikanischen Außenpolitik gedeutet werden könnte, sich in Wirklichkeit aber lediglich als einschläfernde Kinderbuchaufführung herausstellte. Weitere Berichte der Darbietungen erspare ich mir hier, wobei noch der gitarrespielende, über mindestens fünf Oktaven lasziv tonweise »Oh my god« ins Mikrofon stöhnende Zopf-Junge hinzuzufügen wäre, der, wäre das ein Pornocontest gewesen sicherlich den ersten Platz auf der anschließenden Siegerehrung des Talentewettbewerbs erhalten hätte.
Achja, irgendwann waren wir abends dann auch noch dran. Kein Soundcheck, ein paar mal verspielt aber insgesamt doch ganz lustig.
Noch was Schickes gesehen gestern: Am hinteren Schutzblech eines Fahrrads klebte ein doller Aufkleber (würde ich mehr Zeit zum Bloglesen haben, kannte ich den schon seit April). Hier ein Flickr-Symbolfoto von der Schäublone:
Die Schäublone in allen möglichen Formaten sowie den passenden Schriftsatz dazu und mehr gibt’s bei dataloo.
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