Turbulente Tage
Am vergangenen Donnerstag kehrte ich nach der Abizuendefeier im ‘Shaan’ (ich weiß nicht, aber diese Apostrophe setze ich in letzter Zeit lieber als Anführungszeichen – warum heißt es eigentlich ‘ich weiß nicht, aber…’, das ergibt hat doch gar keinen Sinn, egal) nach Hause, es war perfektes Timing, ich erreichte um 0:14 Uhr den letzten Bus am Bahnhof. An der Kreuzung bei unserem Haus standen zwei Jugendliche, was nachts an dieser Stelle nicht unbedingt außergewöhnlich ist. Katie Melua säuselte mir sanft ins Ohr, dass es 9 Millionen Fahrräder in Peking gibt (was mich nicht sonderlich verwunderte, schließlich sagte sie das zum wiederholten Male), und ich hörte daher nur nebenbei eine von einem der Jugendlichen auf die Straße geschmetterte Glasflasche und ihr Gegröle, als ich an ihnen vorbei lief (das mit den Fahrrädern ist vielleicht doch nicht so uninteressant).
Zu Hause angekommen, es ist exakt 0:25, sage ich meiner Mutter noch gute Nacht, woraufhin ich mich schlafen legen wollte, aber vorher noch zur guten Zierkulation das Fenster öffnete und folgenden Tathergang beobachtete: als die Jugendlichen sich verabschiedeten und in entgegengesetzte Richtungen gingen, kam der eine an unserem Chrysler Neon vorbei – und trat den Beifahrerspiegel ab. Er flüchtete schnellen Schrittes, drehte sich dabei mehrmals um, und verschwand in der Querstraße. Jetzt hätte ich natürlich Anzeige gegen Unbekannt stellen können, das brauchte ich aber nicht. Zu seinem Pech kannte ich den Namen des Täters.
Ich weckte meinen Vater und wir reparierten mitten in der Nacht bei Nieselregen provisorisch den Spiegel. Er gratulierte mir draußen bei der Arschkälte (ich hatte nur ein T-Shirt und dünne Hosen an), und als der Spiegel einigermaßen wieder dran war, legte ich mich zur Ruhe.
Am nächsten Morgen wurde ich früh (12 Uhr) geweckt; es war mein Geburtstag. Nach kurzem Frühstück kamen auf einmal Geschenke (was mich zu diesem WikiPlant-Artikel inspirierte), unter ihnen auch das Auto ![]()
Später kam noch der Besuch (wir gingen in das DDR-Museum und zum Chinesen, später am Abend folgte noch eine Partie Tabu und Scrabble), insgesamt war es ein gelungener Tag.
Am darauffolgenden Freitag ging’s nach dem Frühstück erstmal ab zur Polizei – Anzeige erstatten. Das hat zwei Stunden gedauert und war gleichzeitig mein erstes “Erlebnis” mit der Polizei. Da das Auto zum Zeitpunkt der Beschädigung noch meiner Mutter gehörte, war sie Geschädigte und ich Zeuge. Die Prozedur verschlang zwei Stunden. Was mich innerlich jedoch aufregte war die Tatsache, dass die Polizistin, die der Tippse (wenn ich sie hier mal so nennen darf) die Zeugenaussage diktierte, alle Sätze sehr kindlich ausdrückte. Hauptsatz, Hauptsatz, Hauptsatz. Das brachte mich beinahe auf die Palme; gesagt habe ich jedoch nichts, inhaltlich richtig war es ja. Dennoch war es kaum erträglich, diesen Text zur Zustimmung und Unterschrift nochmals durchlesen zu müssen, er ähnelte (mit Verlaub gesagt) dem Aufsatz eines Drittklässlers. Sollte dieses Schriftstück irgendwo und irgendwann einmal vorgetragen werden und ich dazu aussagen müsste, würde ich auf jeden Fall klarstellen, dass ich solch grausig banale Satzkonstruktionen niemals in dieser Form geäußert hätte.
Anyway. Wir besuchten auf Empfehlung der Polizistin die Familie, doch zunächst war nur der ältere Bruder zu sprechen. Glücklicherweise kam wenige Minuten darauf ein Auto angefahren, in dem die Eltern saßen. Sie erklärten sich sofort bereit, den Schaden zu begleichen, der Junge hingegen bestreitet seine Schuld, gibt aber zu, wenige Minuten vor der Tatzeit an besagter Kreuzung sich mit einem Kumpel getroffen zu haben.
Heute dann ließen wir den Schaden in der Werkstatt reparieren (was erheblich günstiger war als gedacht, da der Neon nicht ‘98er Baujahr war und der Spiegel demzufolge weniger als 350 € kostete). Was bleibt, ist die Frage nach dem ‘Warum’, der Ärger über die durch den Schaden vergeudete Zeit und die Tatsache, dass ich am Dienstag schon meine Deutsch-Nachschreibeklausur habe. Na dann, Prost Mahlzeit.
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