Diese kleinen Pisser
Schon zum zweiten mal in diesem Jahr ist mir der Beifahrerspiegel meines Chryslers abgetreten worden, als er auf dem Rasen vor dem Haus stand, wie ich gerade feststellte. Das ist ärgerlich – Rennereien, Kosten, Wut, Ratlosigkeit. Und selbst wenn der Spiegel wieder dran ist, bleibt in mir die Frage: was treibt junge Menschen in heutiger Zeit zu solchen Taten?
Man mag als verschroben verschrien werden, riefe man nun das allzu herrlich klischeebehaftete “Diese Jugend heutzutage” in den Raum. Doch was sonst als die Zeit, die diesem armen Seelen nichts als dröge Vegetierdauer zur Verfügung stellt, sollte für solch widerwärtiges Handeln verantwortlich sein?
Es haben sich kleinere Vorfälle angehäuft, die in mir gerade eine kleine Explosion auslösten, die in der Wut über den abgetretenen Autospiegel ihren Höhepunkt fand.
Da wären zum einen die zwei derb geschminkten präpubertären Mädchen zu nennen, die heute, ich befand mich auf dem Weg von der Arbeit in den wohlverdienten Feierabend, auf einer Bank auf dem (neuen, dennoch schon grässlich verunstalteten) S-Bahnhof Adlershof saßen, bzw. nicht saßen, da das eine Mädchen stand. Seine vermeintlich illustre, dennoch höchst primitv-profane Verhaltensweise äußerte sich dahingehend, dass sie nichts tat außer sich TicTacs in den Mund zu schütten, um diese dann in einer Flugkurve (das Mädchen machte den äußerlichen Eindruck, es wisse erst gar nicht, was eine Kurve sei, da sie es leider über die zweite Klasse nicht geschafft hatte, von Eltern und Verwandten trotzdessen aber verhätschelt und vernachlässigt wurde) auf die (neue!) Sitzbank neben die zweite hirnlose Protagonistin zu spucken, die jeden Versuch mit erneut fröhlichem Gejubel prämierte. Es wird sich beschwert, es gebe doch kein Prekariat, nein! – keine neue Unterschicht, vielleicht gibt es sie auch nicht, aber es gibt sie, die Perspektivlosigkeit propagierende Mittelschicht, deren jüngste Generation durchaus aus dieser Null-Bock-Haltung (auch ein netter, vermainstreamter Begriff) heraus das neue Prekariat zu bilden fähig ist und dies bereits munter aktiv zu tun imstande zu sein scheint (was für ein Satz). Weniger ärgerlich, mehr verständnislos habe ich neulich im Programm eines Münchner Privatsenders Azubi-Anwärter verfolgt, die eine Ausbildung zum Hotelfachmann/-frau anstrebten. Nach dem katastrophal gelaufenen Allgemeinwissens-Einstellungstest (Bild von Horst Köhler; Frage: wer ist das, Antwort: also die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten würde ich erkennen, aber bei so Politikern kenne ich mich nicht aus) beschwerte sich doch ein Mädchen, warum es als Hotelfachfrau (sic!) erforderlich sei, etwas Allgemeinwissen zu haben (stimmt, wo Afrika liegt braucht man sich auch nicht zu merken, die ganzen Entwicklungspenner sind eh unwichtig, hat sie ganz Recht, und auch Deutschland auf der Weltkarte auszumachen ist eine Teufelsaufgabe, wer soll den sowas wissen – und was sind die großen blauen Flächen zwischen den grünen da auf der Karte da eigentlich?). Aus meinem Gesicht sprach pure Fassungslosigkeit. Für mich ist Wissen Spaß, Macht, Erotik. Glückseligkeit. Wenn ich nicht wüsste dass Endorphine Endorphine sind, wie könnte ich dann wortgewandter meine Gefühlswallungen zum Ausdruck bringen? Ist es nicht im Ineresse eines jeden Menschen, sich Wissen anzueignen, es zu nutzen und weiterzugeben? Die Wikipedia lebt.
Da frage ich mich dann: wo bewegen wir uns hin? Was kann man dagegen tun? Offenbar nichts, die Eltern sind für die (grottenschlechte) Erziehung ihrer Sprösslinge verantwortlich. Man könnte jetzt wieder alles auf die Politik abwälzen; auf die schlechte Gesamtsituation. Ich gebe einfach mal den Eltern die Schuld. Aber letztendlich bleiben (leider) viele Jugendliche der Neuzeit eines, was sie einfach sind (dieser Tatsache muss man Rechnung tragen): kleine, widerwärtige und erbärmliche Wichser.
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Comments
Offenbar nichts, die Eltern sind für die (grottenschlechte) Erziehung ihrer Sprösslinge verantwortlich.
da fragt man/frau sich doch, ob sie was falsch gemacht hat in der erziehung! muss ich jetzt in mich gehen??
eine besorgte mutter
ja, das frage ich dich doch!! hab ich oder nicht?
intellektuell reicht nicht wirklich. wo bleiben die emotionen? (intellekt wird in schule und umwelt geformt aber der rest?) ![]()
Intellekt wird doch nicht in der Schule geformt, ich bitte dich. Da lernt man (im Idealfall) jaroslawsche Sozialkompetenz und Durchsetzungsvermögen. Und vielleicht noch, zwischen elaboriertem und restringiertem Code umzugehen (Registerkartenbeherrschung, etc.). Und die Emotionen, die bekommst du auf RTL II, gell?
Ich finde nicht, dass du was falsch gemacht hast, bzw. mir ging’s und geht’s prima ![]()
Lieber Florian,
mit weiteren Mutmaßungen meinem Bruder gegenüber, solltest du vorsichtig sein. Auch du solltest wissen: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. “Wichser” und “Bengel” oder dergleichen, solltest du unterlassen. Nichstdestotrotz kann ich deine Wut über abgetretene Spiegel und rumspuckende Proll-Mädels verstehen. Ja, auch ich mich kotzt das an und stolz auf meinen Bruder war ich sicher nicht.
Wieso soll sich mein Vater bei dir entschuldigen? Mein Bruder natürlich, aber wer denn sonst noch? Und aus dieser Sache noch über die Erziehung meiner Eltern zu mutmaßen, ist einfach nur dreist. Wenn du eine gute Erziehung nur am Intellekt ausmachst, dann sag ich dir - intelligent bin ich auch. Dein Argument greift also nicht. (Übrigens ist mein Bruder 1,85 - und wohl etwas größer (und auch stärker) als du)
Du willst Journalist werden? “Hier ist die Sprache zu Hause.” Hast du deine Texte mal gelesen. Okay ich weiß, dass das nur ein Blog ist. Aber bitte setz doch öfters einen Punkt. “Was weiß der denn schon”? - Ich arbeite frei und finanziere so mein Studium.
Wo waren denn deine kommunikativen Fähigkeiten, als du deine Eltern vorgeschickt hast, dein Blick am Boden klebte? Grundlegende Werte wie Kommunikations- und Konfrontationsfähigkeit scheinen dem selbst ernannten “Master of Journalism” zu fehlen. Mal abgesehen von differenzierten Argumenten.
So bös wie es klingt, soll mein Kommentar hier nicht sein. Wäre mir das passiert, wäre ich noch härter mit dem Täter ins Gericht gegangen. Aber überleg, was und wie, du es schreibst. Und man, die Schlussfolgerungen sind schwach. Dennoch viel Spaß und Erfolg in Ungarn und Österreich
Liebe Grüße
Pascal
Erstmal Danke für deinen Kommentar.
Ich war, als ich diesen Beitrag schrieb, wirklich sehr erbost. Es ist wirklich ärgerlich, aufgrund irgendeiner Sachbeschädigung den gesamten Tagesplan durcheinanderzuwürfeln und die ganzen notwendigen Gänge zu erledigen, zumal das damals im Mai genau die Nacht auf meinen Geburtstag war. Ich habe jetzt die Passage entfernt, weil sie wirklich vieles impliziert – primär jedoch, weil wenigstens du hier schreibst und deinen Standpunkt vertrittst, was ich wirklich sehr schätze.
Ich möchte auf deine Punkte näher Bezug nehmen: Bengel ist ein vollkommen legitimer Begriff, da er meiner Auffassung nach nicht beleidigend ist, das ‘Wichser’ hingegen bezieht sich auf Jugendliche allgemein zu heutiger Zeit und soll natürlich provozieren.
Dennoch: Hast du mit deinem Bruder mal darüber gesprochen, warum er das getan hat, oder beispielsweise eine Glasflasche mitten in der Nacht quer über die Kreuzung wirft (mal erlebt, als ich vom Bus nach Hause kam). Das, was mich einfach stört, ist die unbeantwortete Frage, warum solche sinnlosen Sachen geschehen (auf Jugendliche allgemein bezogen). Ich wäre weitaus “zufriedener” im Endeffekt gewesen, wenn dein Bruder einfach gesagt hätte, warum er das tat, offenbar kann er sich aber nicht mehr erinnern, zwischenzeitlich ist das Ganze ja gegessen. Trotzdem fahre ich mein Auto seit dem zweiten Tritt immer auf das Grundstück, einfach um mir später evtl. Rennereien zu sparen. Das nervt zwar, aber ich denke du kannst das nachvollziehen.
Ich muss nochmals betonen, dass ich echt positiv von dir überrascht bin und es gut finde, dass du hier schreibst (auch wenn ich mich wiederhole). Dein Vater meinte sinngemäß, es komme selbstverständlich vor, dass Jugendliche sich betrinken und dann dumme Sachen anstellen. In meinen Augen ist diese Aussage nicht gerechtfertigt, da es viele Jugendliche gibt (ich zähle dich jetzt mal dazu), die ihren Alkoholkonsum unter Kontrolle haben bzw. nicht trinken; weiterhin sollte Alkohol nicht als Entschuldigung für eine Straftat gelten.
Auch der Rückschluss auf die Erziehung gilt im Allgemeinen und ist definitiv nicht auf Euch bezogen. Dass dein Bruder größer und stärker ist mag sein, darin sehe ich aber kein gutes Argument für eine Diskussion (das Klischee kennt man ja).
Und bitte nimm nicht alles immer für bare Münze: “Hier ist die Sprache zu Hause” ist lediglich irgendeine Floskel, die mir des Nachts mal durch Kopf und Geist schwebte und Punkte setze ich, wenn ich es für nötig halte. Klar schreibe ich wirr gelegentlich (falls du das meinst), aber bei sonstigen Arbeiten passe ich mich natürlich dem Schreibstil des jeweiligen Mediums an.
Dass ich nicht gesprächig war stimmt vollkommen; bei versicherungstechnischen und rechtlichen Dingen lasse ich lieber meine Eltern sprechen, die mehr Ahnung von sowas haben. Und ich hoffe, dass du wie ich das “Master of Journalism” ironisch siehst, oder glaubst du echt ich bin so abgehoben?
Die fehlende Kommunikations- und Konfrontationsfähigkeit hat auch schon eine nette Dame (siehe unten) behandelt, wenn du hier mal nachschaust findest du ihre schönen Anfeindungen.
Abschließen möchte ich mit der Hoffnung, mit dir besser reden/diskutieren zu könenn als mit einer gewissen Journalistin U.K. (s.o.) – ich freue mich also auf eine Antwort!
Nächtliche Grüße (aber hey, bin extra für die Antwort noch wachgeblieben),
Florian
Lieber Flo,
natürlich war auch ich sicher nicht “erbost”, als ich das niederschrieb. Und dass dort Master of Journalism stand….das mir doch Wurst. Das hätte auch unter einer meiner Bilder stehen können.
Klar weiß ich, dass das mein liebes Bruderherz öfters über die Strenge schlägt. Dafür hab ich ihn selbst schon zurechtgewiesen. Auch ich finde irgendwelche holen Zerstörungen unter Alkoholeinfluss scheiße. Aber ja, auch ich trinke schon mal ganz gern nen Bierchen. Natürlich hat jeder von uns schon mal was getan, was er im nachhinein bereut bzw. lieber gelassen hätte. Das passiert nun wirklich mal und gehört zum Leben (um nicht erwachsen werden zu sagen). Sei es nun mit oder ohne Alkohol…. der aber die Hemmschwelle herabsetzt. Dennnoch war die Aktion so bescheuert, auch ich kann da nur meinen Kopf schütteln.
Generell bin ich gegen exzessive Saufgelage (mit 18 hab ich das auch anders gesehen), aber wenn man, wie mein Bruder, erst herum experimentiert mit allenmöglichen Schnaps, dann geht sowas meist schneller als man denkt. Kommt dann noch Frust, Wut oder Trauer etc.. hinzu. Klar, eine billige Ausrede, aber logisch für mich. Seine Grenzen muss jeder selbst entdecken, aber damit sollt man sich nicht zuviel Zeit lassen.
Eins noch: Wenn besoffen sein nur scheiße wäre, würds keiner machen…
Zum Glück ist der Ganze Ärger nun überstanden. Mein Bruder hat sich auch wieder unter Kontrolle. (Ja, wirklich) Das Auto reinfahren, ist in Bohnsdorf eine gute Lösung. Auch ohne besoffene Halbstarke wird hier ganz schön gemoppst und eingebrochen. Das wars von mir, denn auch ich bin müde…
Liebe Grüße
Pascal


Es ist ja nicht zu fassen, Du hast mein Mitgefühl, wenn es Dir vielleicht auch nicht viel weiterhilft
Mit Deiner Zeit-Analyse hast Du wieder mal den Nagel auf den Kopf getroffen. Man bleibt einigermaßen ratlos zurück mit derFrage, was zu tun ist. Eigentlich nur die Dinge beim Namen nennen, selbst nicht so werden und hoffen, daß sich diese - wie nanntest Du sie - Wixxer nicht auf einen selbst dauerhaft einschiessen. Denn dann hätte man nix mehr zu lachen, die Polizei hilft da wohl auch kaum. Manches, das einen nciht unmittelbar betrifft, habe ich lernen müssen, auszublenden, sonst wird man in der Großstadt verrückt (Farbschmierereien allenthalben, Rotlatscher- und -fahrerei, Rumrotzen wo man geht und steht, essen an jeder möglichen und unmöglichen Stelle, und wenn ich Dir von den täglichen Lagebreichten an der Bahnfront berichtete, würdest Du vielleicht keinen Zug mehr betreten (ohne Angst)). Eigentlich sollte eine Koalition der Willigen sich in Netzwerken zusammentun und zusammenhalten. Zivilcourage ist ja auch nicht in jeder Situation angesagt.
Heute war, und damit will ich schließen, im Hausflur meiner Wohnstadt ein Einkaufswagen, abgestellt, zu bewundern, was für mich immer ein Zeichen von gehobener Assozialität ist (erstens mit dem Ding nach Hause fahren und es dann irgendwo einfach stehen lassen - mein Gott!!). In den hatte ein Mitbewohner ein Schreiben in acht Sprachen (ich glaube mich an englisch, französich, türkisch, polnisch, russisch und sogar chinesisch zu erinnern) gelegt. Auf dem Zettel war vermerkt (etwa sinngemäß), daß der verehrte Assoziale, der dies hier hinterlassen hat, es doch umgehend entfernen solle. Nach dem Einkauf wollte ich ein Foto für meinen Blog schießen, da war das Ding aber schon entfernt (Zettel und Wagen :() So reicht die Begebenheit halt für einen Kommentar auf Deinen Beitrag und (ob des schnellen Entfernens) keimt ein Stück Hoffnung.
Selamat jalan