Twitter Addicts?
Einen interessanten Gedankengang zur Twitternutzung in Vorlesungen hat unser Studiengangsleiter Lorenz Lorenz-Meyer auf seinem Blog veröffentlicht. Leider erlaubt es mir die Zeit gerade nicht, hier näher darauf einzugehen (richtig erkannt), dennoch habe ich mir heute zum ersten Mal wirklich über mein Zwitscherverhalten Gedanken gemacht. Angefangen habe ich mit zwei, drei Tweets während meiner Abiturlernphase, dann folgte ein großes Vakuum. Seit ich Twitter in mein Netvibes integriert habe, wird gevögelt gezwitschert in allen Lebenslagen. Dabei verfolge ich übrigens – für alle die es noch nicht bemerkt haben – eine spezifische Twitterpolitik: Ich schreibe alles klein (bis auf die Benutzernamen anderer User in meinen Antworten), weil ich der Auffassung bin: Twitter ist sowas für zwischendurch, so ein Web-2.0-Knoppers quasi, und Kleinschreibung zeugt vom Wissen der Philosophie des Twitterns. (Am Anfang war ich auch skeptisch, aber Twitter muss man eben erleben, um es zu verstehen. Zum Einstieg reicht aber auch erstmal Twitter in Plain English.)
Seit der RL-Diskussion heute in der Vorlesung habe ich nicht mehr getwittert. Ich komme mit meinen Gedanken dazu einfach auf keinen grünen Zweig. Ich meine, ich bin nicht der Auffassung, dass ich durch die Tweets den/die Dozent(in) hintergehe oder dass eine Tuschelei stattfindet, wie damals mit kleinen Zettelchen in der Grundschule, eher dokumentiere ich, bzw. wir, die twittern, Momente, die wir für dokumentierenswert halten. Kurze Gedanken, Anekdoten, Lebensmitschnitte. Ob man sich in der Sprache anpasst, aus Furcht vor mitlesenden Dozenten, Vorgesetzten o.ä., ist eine andere Frage. Sicherlich, das ist ja vergleichbar mit den sprachlichen Registern, die man je nach situativem Umfeld gezielt einsetzt. Auch eine Frage, die heute aufkam: zerstört man Erlebnisse und Momente, indem man sie twittert? Ich habe dazu gesagt: Das ist wie fotografieren – Susan Sontag hat das in einem ihrer Essays wundervoll beschrieben. Da geht der Moment verloren durch das Bestreben, den Moment festhalten zu wollen, was nicht gelingt. Das Bestreben, etwas Handfestes zu haben, zu zeigen: ha! – ich war da und es war geil – und dabei zu vergessen, den Augenblick zu genießen, das Hier und Jetzt, das mit dem Foto unwiderbringlich verloren geht (oder denke ich da zu trivial?). Aber bei Twitter (meine Meinung), entwickelt sich aus den Tweets ein eigener Kosmos, und durch die Reaktion der anderen erlebt man den Moment einfach neu. Und wieder neu. Und nochmal. Momentsharing nenne ich das mal.
Bin ich twitter-süchtig? Mittlerweile ja. Wie kann man also einen Kompromiss erzielen, der allen vielleicht etwas bringt? Eine Twitterwall während der Vorlesung halte ich durchaus für ein interessantes Lehrkonzept. Da müsste man sich tiefgehender Gedanken machen, auch innerhalb der Gruppe.
Ach Twitter, was tust du uns nur an.
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Comments
[…] ein weiterer Prof hat via Twitter darauf hingewiesen, FloSi hat auf seinem Blog nachgelegt und […]
[…] über Twitter zu sagen: Ich seh den Sinn nicht. Alle zwitschern, ER findets ganz fein, ER ist nach eigener Aussage twitter-süchtig. Scheinbar jeder lässt den Rest der Welt auf 140 […]


Ja, Twitter als (allgemein sichtbarer) Backchannel während Veranstaltungen ist eine sinnvolle Verwendung. Nur eben nicht, wenn die Veranstaltungen einen ‘intimeren’ Charakter haben. Letztlich kommt es vor allem darauf an, dass es - zumindest in kleineren Gruppen - eine Art Konsens darüber gibt, wie solche Tools eingesetzt werden.